1971 - 2007   Jetzt - raum
Licht-Bild-Installation von Thomas Jung, 2007

Im Zentrum der historischen Ausstellung Werkkunst. Kunst und Gestaltung in Bielefeld liegt ihr chronologisches Ende, die Jetztzeit, eine künstlerische Licht-Bild-Installation von Thomas Jung; eine Inszenierung des Moments als digitale Brücke zum zukünftigen Gestalten.
Die Flüchtigkeit des Augenblicks steht hier bewusst im historischen Kontext. Das Verhältnis von Gegenwart und Vergangenheit wird in diesem Moment neu verhandelt.
Unter dem differenzierten Zusammenspiel der digitalen Bilder liegt ein computergesteuertes semantisches Netz, welches das Wechselspiel der Bilder begründet. Sowohl ein Zufallsgenerator, als auch kalkulierte Vorschriften sind ausschlaggebend für die Bestimmung seiner Parameter. Es ist dieselbe grundlegende Programmierung, die das Auf- und Abtauchen der Namen, wie auch die Helligkeit der Leuchtstoffröhren, steuert. Thematisiert wird die Schule, die Kommunikation der Menschen, die sowohl miteinander in vorgegebenen Strukturen zusammenarbeiten, als auch unabhängig und eigenständig als "Knoten im Netz" hervortreten. Jede Schule zeichnet sich durch Vielstimmigkeit aus; Improvisation und Konstruktion ist gefragt.
Sie sehen 60 Portraits von Professoren/innen bis zu hilfsbereiten Haushandwerkern, alle namentlich genannt. Studenten und Studentinnen tauchen, als ständig wechselnder Fluss, in kurzen Videosequenzen auf. Sie alle prägten den Fachbereich Gestaltung in den letzen 36 Jahren. Die Bilder wurden von Fotostudierenden im Sommersemester 2007 für diese Ausstellung produziert und mit Archivbildern angereichert. Mit den Portraits erscheinen zeitgleich vom Zufall bestimmte, stark vergrößerte Bild-Ausschnitte, die uns einen mikroskopischen fast intimen Einblick in die digitale Pixelwelt geben und abstrakte Formen entstehen lassen. Wenn das Beziehungsnetz der sich wandelnden Bilder überläuft, werden die Bausteine der Bilderstellung von Licht überblendet, Bilder verfallen. Wir werden Zeuge von Bruch und Möglichkeit, von sich schrittweise auflösender und konstruierender Körper; beides voller Selbstverständlichkeit. Mit dieser sich immer wieder neu entwickelnden endlosen Installation von 2007 endet die Ausstellung Werkkunst. Kunst und Gestaltung in Bielefeld bewusst ohne abschließendes Bild.

Prof'in Suse Wiegand (2007)
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